Olympische Spiele 2018 sind kein Gewinn für unsere Region
Persönliche Erklärung zur vorgesehenen Bewerbung von München, Garmisch, Oberammergau und Schönau für die Olympischen Winterspiele 2018:
Nach mehr als einem Jahr intensiver Diskussion über die Vor- und Nachteile einer Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2018 in München, Garmisch, Oberammergau und Schönau, zahlreichen Gesprächen mit BefürworterInnen und GegnerInnen, Besichtigungsterminen vor Ort, etc. kann ich keine ausreichende Begründung dafür finden, eine solche Bewerbung mitzutragen. Ausschlaggebend für mich war in diesem Prozess die bis heute nicht befriedigende Antwort auf die Fragen: Welchen Mehrwert bringt ein solches Projekt für die beteiligten Städte und Regionen? Inwiefern profitieren angesichts des riesigen zu erbringenden Aufwands die Menschen (und nicht einzelne Lobbygruppen) davon, ohne das unsere Umwelt Schaden nimmt? Welche Risiken tragen die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler?

Hausberg bei Garmisch-Partenkirchen (flickr.com © marfis75)
Immerhin: Wieder einmal sind es die Grünen, die stellvertretend für die Gesellschaft diese Debatte über Sinn und Nachhaltigkeit eines solchen Großereignisses führen und damit auch Einfluss auf den Verlauf der Bewerbung und die öffentliche Wahrnehmung nehmen konnten. Den BefürworterInnen und insbesondere den PlanerInnen in der Bewerbergesellschaft halte ich zugute, dass wenigstens ein relevanter Teil von ihnen versucht, im Rahmen der Vorgaben das bestmögliche Ergebnis zu erzielen (Stichwort Umweltkonzept). Doch die gesetzten Rahmenbedingungen sind genau das Problem.
Was spricht für Olympia 2018?
Ich respektiere ausdrücklich die Meinung all derjenigen, die nach Abwägung der Argumente zu einem anderen Schluss kommen. Im wesentlichen sind es drei Argumente, die von den Befürwortern vorgetragen werden, die ich für durchaus tragend halte:
1) Prestige: Nach der Ausrichtung der Sommerspiele 1972 wäre München die erste Stadt die Sommer- und Winterspiele austrägt. Dies würde sicherlich der Stadt – in den (sporthistorischen) Geschichtsbüchern einen besonderen Stellenwert geben. Die Olympischen Spiele 1972 haben München einen nachhaltigen Schub gebracht. Allerdings bezweifle ich stark, dass ähnliche Effekte 2018 eintreten könnten.
2) Es besteht die begründete Hoffnung, Bundes- und Landesmittel für einzelne Planungsprojekte wie den Ausbau der Bahn zwischen München und Murnau und den Bau olympischen Dörfer nach hohem ökologischem Standard zu erhalten. Solche Einzelleitprojekte sind ohne eine erfolgreiche Bewerbung schwieriger zu verwirklichen. Allerdings sind auch nicht alle Projekte (wie Teile der Investitionsprogramme für den Straßenausbau) wünschenswert.
3) Emotion: Man muss nicht gleich von der Magie der Olympischen Spiele sprechen, um dieser „Bewegung“ auch nach zahlreichen Skandalen von Doping bis hin zur Korruption bei Vergabeverfahren, Kommerzialisierung, etc. eine beträchtliche Strahlkraft zuzusprechen, die bei mindestens einem relevanten Teil der Bevölkerung Begeisterung auslöst. Die Freude auf ein solches Ereignis ist durchaus auch ein Argument dafür, ein Bewerbung hierfür anzustreben. Wenn man danach allerdings auf einem erdrückenden Schuldenberg sitzen bleibt, wird diese dauerhaft getrübt sein.
Scheinargumente
Darüber hinaus werden weitere Argumente ins Feld geführt, die ich für nicht stichhaltig erachte:
1) Fest der Völkerverständigung / gigantische Strahlkraft
Im Gegensatz zu Sportfesten wie der Fussball-WM oder Olympischen Sommerspielen kann man bei Olympischen Winterspielen nun wahrlich nicht von einem die Kontinente gleichermaßen erfassenden und begeisternden Sportereignis sprechen. Der Kulturkreis der teilnehmenden Sportler umfasst im Schwerpunkt den Alpenraum, Skandinavien und Nordamerika. Frauen und Männer in Australien, Ecuador, Kenia oder Indien bleiben von den Segnungen des Wintersports weitgehend unberührt. Die „Faszination Olympia“ ist letztlich eine individuelle. 2006 fanden Olympische Spiele im gerade mal 500 km entfernten Turin statt. Die erwarteten Massen sind damals ausgeblieben, die von Bayern nach Norditalien pilgerten.
2) Woanders ist ja viel schlimmer
Als Totschlagargument wurde wiederholt angeführt, dass ja bei einer Vergabe in andere Länder die dort zu erwartenden Umweltschäden deutlich drastischer seien als bei uns und wir quasi als aufrechte KämpferInnen für die Eine Welt und das Weltklima schon allein deshalb die Spiele nach Oberbayern holen müssten. Mit Verlaub: Wir sprechen uns auch nicht für den Bau neuer Atomkraftwerke aus, nur weil die vielleicht bei uns sicherer sind als in Kasachstan. Oder anders gewendet: Wir sollen also unseren ohnedies schon stark beeinträchtigten Alpenraum nur ein wenig verschandeln, damit – aus unserer Anmaßung heraus – woanders kein Raubbau an der Natur getrieben wird? Und ist dies überhaupt der Fall oder sind wir da nicht vielleicht sogar anmaßend?
3) Ökologische Spiele?
Der Hauptgeschäftsführer des DAV wird gemeinsam mit dem DOSB zitiert, wie er in Olympia 2018 eine „Chance für den Naturschutz“ erblickt. Da scheinen sportpolitische und verbandsinterne Erwägungen dem Naturschutzgedanken aber mal ganz deutlich den Rang abgelaufen zu haben. Nach der Vorstellung des durchaus ambitionierten „Umweltkonzepts“ am 9. Oktober ist von „ökologischen“ oder „grünen“ Spielen die Rede. Hier geht’s dann wirklich Richtung Greenwashing: „Ökologische Spiele“ sind als solches ein Witz. Allein die mit Olympia 2018 zusätzliche betriebene Fokussierung Richtung Winterhochleistungssport und Event-Tourismus in der ohnehin schon arg gebeutelten Alpenregion werden Ökologie und Naturschutz mitnichten in die Vorderhand bringen. Diesen Begriff auch nur zu verwenden, war von Anfang an ein Fehler. Ehrlich wäre gewesen, die Bemühungen darzustellen, im Rahmen der vorwiegend von sportpolitischen und kommerziellen Interessen geleiteten Vorgaben von Verbänden und IOC möglichst Ressourcen schonend und im Einklang mit der Natur zu agieren. Auf dieser Grundlage zu diskutieren, hätte vielleicht auch manchen Verlauf der Debatte vereinfacht.
Grundsatzfragen
Wintersport und Tourismus in Zeiten des Klimawandels
Die Grüne Landtagsfraktion schreibt in ihrer Stellungnahme zum nachhaltigen Tourismus im Alpenraum vom 16. Januar 2009: „Hinsichtlich der Gäste- und Übernachtungszahlen überwiegt – im bayerischen Alpenraum – eindeutig der Sommertourismus: mit 60:40 bei den Ankünften und mit 63:37 bei den Übernachtungen. Voraussetzung für den Tourismus in Bayern und damit das wichtigste “Kapital” sind unsere Landschaft und Natur. Die Gäste erwarten Erholung und Gesundheit, (…) Als Herausforderungen für die nachhaltige Entwicklung der Tourismusbranche werden von Tourismusexperten der Klimawandel und die demographische Entwicklung genannt.“
Kann es deshalb die richtige Strategie sein, wenn die Markt Garmisch mit einer Überschuldung von aktuell 100 Millionen Euro mit vom Kreis nicht genehmigungsfähigen Kommunalhaushalten auf den Ausbau eines Snow-Clusters setzt mit Skigebieten in angesichts des Klimawandels vergleichsweise niedrigen Höhenlagen, insbesondere in Betracht der Wettbewerber führender Standorte in Österreich, Frankreich und Schweiz?
Kommt ein/e TouristIn mehr im Sommer nach Garmisch, weil er/sie im Januar im Fernsehen Skispringer von der Schanze springen sieht, während die Zuschauer eingepackt in dicker Kleidung vor sich hin frösteln?
Laut Aussage von Prof. Bausch von der Fakultät für Tourismus an der Hochschule München erwarten sich zwar über 50% der Winterurlauber Schnee und Eis an ihrem Urlaubsort, aber für weniger als 20% spielt Skifahren eine wichtige Rolle. Die hohen Investitionskosten in Beschneiungsanlagen sind in diesem Sinne mittelfristig Fehlinvestitionen und sie verhindern auch die vorausschauende Entwicklung neuer, dem Klimawandel angepasster Urlaubsangebote für Gäste im Winter.
Wenn Garmisch-Patenkirchen wegen seiner hohen Kapitalbindung für Wintersportinvestitionen nicht in der Lage ist, ein ausreichendes Kinderbetreuungsangebot zur Verfügung zu stellen oder der Landkreis Berchtesgadener Land den Erhalt seiner Krankenhäuser gegen die Erweiterung der Bobbahn abwägen muss, ist Schluss mit lustig. Ohnedies empfiehlt sich einmal ein Blick auf die durch den Tourismus erzielten Gewerbesteuereinnahmen im Vergleich zur Ausgabenstruktur der allermeisten Tourismusgemeinden. Nicht umsonst registrieren wir gerade im (alpinen) Tourismusbereich bei vielen bayerischen Gemeinden einen besonders hohen Schuldenstand.
Ökonomische Risiken / Wer zahlt, wer profitiert?
Mit Sicherheit profitieren bei einem solchen Wintersportgroßereignis in erster Linie nicht die Menschen in der Region und erst recht nicht im Sinne einer nachhaltige Entwicklung vor Ort. Wenn der Geschäftsführer der Olympia-Bewerbergesellschaft Richard Adam in der BR-Rundschau vom 9. Oktober lapidar den Satz fallen lässt, dass bei solchen Großsportereignissen am Ende schon auch mal ein Minus in der Bilanz stehen könne, untertreibt er nicht nur maßlos, sondern offenbart auch die eigene Erwartungshaltung. Einem Bericht des Münchner Merkurs vom 7. Oktober zufolge muss die öffentliche Hand bereits zu Beginn der Bewerbung mit einem Darlehen von 2,7 Mio. Euro einspringen. Oberbürgermeister Ude hat im Handstreich für die Stadt München als Hauptlastträger unbemerkt von der Öffentlichkeit per Dringlichkeitsbescheid einen Millionenkredit durch gewunken. Zudem stehen die wenigen bisher verpflichteten, in der Öffentlichkeit von der Bewerbergesellschaft als angebliche private Sponsoren dargestellte Unternehmen in der Regel unter öffentlicher Beteiligung wie die Sparkasse München, die Flughafen GmbH und die Münchner Messe. Der Bayerische Sparkassenverband hat erst jüngst eine Anfrage fürs Sponsoring erhalten und diese abgelehnt. Die Ankündigung, die anvisierten 30 Mio. Euro, die allein für die Einreichung der Bewerbung benötigt werden, rein privatwirtschaftlich aufzubringen, ist bereits jetzt nicht mehr einzuhalten.
Auf der Stadtversammlung der Münchner Grünen im März 2009 sind MdL Ludwig Hartmann und ich im damals verabschiedeten Antrag eingetreten für „eine baldige Offenlegung der Finanzstrukturen.
- Wir haben als Steuerzahler Anspruch zu erfahren, wie Risiken und Ertrag zwischen Bund, Land, beteiligten Gemeinden und IOC aufgeteilt sind.
Wer haftet im Falle einer Budgetüberschreitung?
- Welcher nachhaltige ökonomische Mehrwert ist jeweils auf die bezogene Region zu erwarten?“
Transparenz ist hierbei nicht gewünscht und deshalb bezeichnet die Süddeutsche Zeitung in ihrem Kommentar vom 9. Oktober 2009 das Vorgehen von Oberbürgermeister Ude zu Finanzierungsfragen zurecht als Augenwischerei: „Keiner kann derzeit sagen, ob die dreißig Millionen an Sponsorengeldern zusammenkommen. Angesichts der Wirtschaftskrise ist das höchst fraglich. Aus städtischen Darlehen werden dann wohl Zuschüsse. Es ist längst an der Zeit, dass der OB den Münchnern ehrliche Antworten auf unangenehme Fragen gibt: Wie viel wird die Kandidatur tatsächlich kosten, und wer wird dafür zahlen?“
Dass wir hier aber erst am Anfang eines Prozesses stehen, dessen Folgewirkungen ganz andere sein können, zeigen nicht nur die olympische Historie der letzten Jahrzehnte, sondern auch die aktuellen Beispiele Vancouver 2010 und London 2012. So vermeldete Vancouver vor wenigen Tagen erst eine Kostenexplosion beim Bau des Olympischen Dorfes von 60% oder zusätzlichen 300 Mio. Euro. Zuvor waren bereits die Kosten für das Sicherheitskonzept massiv in die Höhe geschossen.
Dies sind aber noch Peanuts im Vergleich zu London 2012, wo die Planer sich gleich um das Vierfache der Gesamtkosten verschätzt haben. Statt ursprünglich 3,5 Mrd. Euro ist man nun bei umgerechnet 13,5 Euro angelangt. Wer letztendlich immer haftet, ist klar: Es ist nicht das IOC, es sind immer die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler vor Ort.
So erfreulich nun auch manche Absichtserklärungen im aktuellen Umweltkonzept der Bewerbergesellschaft sind: Zwei Olympische Dörfer im Plusenergiestandard zu bauen ist eine ehrenwerte Absicht. Auf die veranschlagten Kosten allein hierfür wäre ich aber sehr gespannt, ebenso wie auf die im Zweifelsfall vom Umweltkonzept vorzunehmenden Abstriche, wenn das Geld knapp wird. Denn schließlich sind viele der vorgesehenen Maßnahmen nicht relevant für die Durchführung von Olympischen Wettbewerben.
Zusammenfassend beschreibt es der Olympia-Historiker David Wallechinsky am treffendsten, wenn er anmerkt: „A city should never bid for an Olympics thinking it will turn a profit. If they try to tell you that, it’s a stab in the dark.” http://www.csmonitor.com/2009/1002/p02s04-usgn.html
Umweltkonzept, ökologische Eingriffe und Risiken
Der Bund Naturschutz hat in seiner schriftlichen Ablehnung der Olympia-Bewerbung vom August 2009 eine ganze Reihe von Einwänden gegen die angeblichen „Ökologischen Spiele“ aufgelistet, die ich im Wesentlichen teile. Dies beginnt mit der zutreffenden Einschätzung, dass gerade in Zeiten des Klimawandels und dessen gravierenden Auswirkungen insbesondere auf die Alpenregion nicht ein Standort Olympische Spiele austragen sollte, der mittelfristig aufgrund der niedrigen Lage der Pisten nur noch mit Schneekanonen sicher betrieben werden kann. Der Einsatz von Schneekanonen bringt nicht nur einen hohen Energieeinsatz mit sich (13.000 kWh pro Hektar Beschneiung), sondern ebenso einen hohen (Trink-)Wasserverbrauch und folgerichtig anzulegende Beschneiungsseen. Allein der notwendige massive Ausbau einer solchen Infrastruktur auch für den neuen Standort Oberammergau widerspricht allen Grundsätzen der Nachhaltigkeit und ist auch symbolisch falsch im Sinne einer Natur gerechten Nutzung unserer Alpenregion.
Das in Teilen durchaus ambitionierte Umweltkonzept der Bewerbergesellschaft, vorgestellt in Eckpunkten am 9. Oktober 2009, legt einen großen Schwerpunkt auf das Thema Klimaneutralität. Neben dem positiv zu beurteilenden beabsichtigten Ausbau der Erneuerbaren Energien (Plusenergiestandard bei den Olympischen Dörfern), Vorhaben energetischer Sanierung (z.B. des Gebäudebestands des Olympiaparks) setzt man bezüglich der „Klimaneutralität“ auf sog. international (nach „Gold-Standard“) zu vollziehende Ausgleichsmaßnahmen für die hierzulande während der Spiele entstehenden CO2-Emissionen. In diesem Zusammenhang spricht mir der Bund Naturschutz aus dem Herzen, wenn er feststellt: „Erwirkt man „Klimaneutralität“ über Projekte, durch die man sich an entfernten Orten freikauft, mag diese Form des Handels im internationalen Klimaschutz seinen Stellenwert haben. Er widerspricht aber den „Werten des Olympismus“, wie sie in der Olympischen Charta vom 7. Juli 2007 im Punkt 1 der „Grundlegenden Prinzipien des Olympisimus“ formuliert sind: „Der Olympismus ist eine Lebensphilosophie, die … auf dem erzieherischen Wert des guten Beispiels sowie auf der Achtung universell gültiger fundamentaler ethischer Prinzipien aufbaut.“ Ablasshandel ist kein universell gültiges ethisches Prinzip. Auf dieser Basis von Klimaneutralität zu sprechen, ist Täuschung der Öffentlichkeit.“
Eine Kernforderung des Bund Naturschutz immerhin soll aber durch das Umweltkonzept erfüllt werden: Die Einrichtung eines UNESCO-Biosphärenreservats zwischen Garmisch und Murnau als „olympisches Erbe“ ist ein klarer Pluspunkt und zeugt von einer vorhandenen Ernsthaftigkeit, im vorgegebenen Rahmen wirklich ökologische Maßstäbe zu setzen. Wenn man sich weitere der „18 Umwelt-Leitprojekte für München 2018“ ansieht, verlässt einen der Glauben allerdings auch schnell wieder. Dem vorgesehenen punktuellen (nicht durchgehenden) Ausbau der Bahnstrecke München-Murnau-Garmisch steht ein von Innenminister Herrmann angekündigtes 500 Mio. Euro schweres und ökologisch bedenkliches Bundesmittel-Förderprogramm für den Straßenausbau in der Region Garmisch zur Seite. Vage bis unverbindlich sind verschiedenste Einzelprojekte des Umweltkonzepts: So möchte man eine privat-bürgerschaftlich finanzierte Stiftung für Klimaschutzmaßnahmen einrichten, setzt auf Eigenverantwortung der Sportvereine zur CO2-Reduzierung oder möchte mit dem Projekt „Schnee bewegt“ „Kindern den positiven Erlebniswert von Schneesport“ nahe bringen. Letzteres läuft auf nichts anderes raus als eine Ausweitung von Skifreizeiten in den Schulen mit der Folge von noch mehr Skitourismus und damit Belastungen für den übernutzten Alpenraum. Im Zuge der von kommerziellen Interessen dominierten Olympischen Winterspiele die Alpen zu einer „Ökologischen Sportregion“ mit Hilfe des DAV zu verklären, scheint mir mehr als vermessen. Auch dass man im Jahre 2018 die PKW-Flotte mit Hybriden ausstatten möchte, scheint mir bei der absehbaren Entwicklung der Elektromobilität eher selbstverständlich als visionär. Dass manch weiteres unverbindlich bleibt, mag auch daran liegen, dass ein ausgearbeitetes Umweltkonzept entgegen ursprünglicher Zusagen nun erst 2010 vorliegen soll. Welchen wirklichen Stellenwert das IOC auf das Label Ökologie legt, kann man daran erkennen, dass im Bewerbungsbuch genau eine Seite hierfür vorgesehen ist. Im übrigen ist Tokio gerade mit einem ökologisch ähnlich anspruchsvollen Konzept sang- und klanglos bei der Auswahl für die Sommerspiele 2016 in Kopenhagen gescheitert. Ausrichter 2014 ist das russische Sotschi, das jetzt schon absehbar eine katastrophale Öko-Bilanz hinlegen wird für die Austragung.
Die Erfahrungen mit der Ski-WM 2011 (ebenfalls Garmisch) haben gezeigt, dass auf Zusagen der Veranstalter kein Verlass ist. Entgegen der damaligen Absprachen wurden über 16 ha wertvoller Berg- und Schutzwald gerodet. Auch in diesem Zusammenhang scheint die eigene Überhöhung der Spiele als grün und ökologisch mindestens weit hergeholt: “The aim is not just to ensure that holding the Games has no negative net impact on the environment, but also to try to improve this environment and leave behind a positive green legacy.” Dieses Ziel können wir aus meiner Sicht (leider) nur dann erreichen, wenn KEINE olympischen Spiele stattfinden.
Die Vision könnte im Übrigen auch eine ganz andere sein: Im Jahr 2018 werden wir bei weiter dramatischem Fortschreiten des Klimawandels andere und drastischere Debatten um die Begrenzung des CO2-Ausstoßes, Weg vom Öl, Lebensstil- und Konsumfragen führen, als wir dies bereits heute tun. Sollten wir dann in einem möglicherweise warmen Winter ein „Sportfest“ auf weißen Schneisen inmitten grün-bräunlicher Landschaften führen, wird Olympia 2018 als Symbol der anderen Art in die Geschichte eingehen.
Fazit: Gut gemeint ist nicht immer nachhaltig gedacht
Olympische Winterspiele in München haben als Idee eine gewisse Faszination und weil ich selber mindestens in Jugendjahren auch dieser Faszination erlegen bin, habe ich mir die Auseinandersetzung mit dem Thema nicht leicht gemacht. Letztlich halte ich aber die ökonomischen Risiken für unkalkulierbar, die ökologischen Eingriffe trotz teils anspruchsvollen Umweltkonzept für nicht vertretbar und die Fokussierung der Alpen als Wintersport- und Eventregion zu Lasten von Natur, Lebensqualität der Menschen vor Ort und nachhaltiger Entwicklung schlicht für falsch. Den Bewerbungsprozess werde ich auch künftig aufmerksam und kritisch weiter begleiten und bin froh, dass wenigstens im Rahmen der Möglichkeiten die Grünen hier ihren Einfluss bisher gelten machen konnten.
Wichtige Quellen:
Sportpolitisches Blog „don’t mix politics with games“: www.jensweinreich.de
Begründung der Ablehnung der geplanten Bewerbung für die olympischen Winterspiele 2018 „München + 2“ durch den Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN): http://www.bund-naturschutz.de/fileadmin/download/alpen/Aktuelles/BN%20Ablehnung%20Olympia_kurz_260809_end.pdf
Bewerbergesellschaft München 2018: www.muenchen2018.org

Am Dienstag, 13. Oktober 2009 um 16:05 Uhr.
Deinen Überlegungen stimme ich zu!
ABER:
Falls sich die Spiele nicht verhindern lassen und stattfinden werden, sollten wir in allen Entscheidungsgremien präsent sein, um das Bestmögliche herauszuholen und den Schaden möglichst klein zu halten! Ich finde, das sind wir unseren Wählern schuldig.
Am Dienstag, 13. Oktober 2009 um 16:14 Uhr.
Hallo Dieter, danke für diese tief gehende Analyse, die mir aus dem Herzen spricht. Nicht alles, was machbar ist (Olympische Sommer- und Winterspiele in einer Stadt) ist auch sinnvoll; das gilt für die Ökologie wie für die Ökonomie. Man hat bei der Entschiedung über eine Bewerbung um Olympische Spiele regelmäßig das Gefühl, dass Verstand und Sachargumente dem Bauchgefühl und einem fast schon kindlich begeisterten “Habenwollen”/ “Habennmüssen” weichen.
Die Wies’n bringen München jedes Jahr Millionen Besucher und fast 1 Mrd. EUR Umsatz, das ist – gerechnet bis 2018 – eine Summe von fast 10 Mrd. EUR. Das ist weit mehr als Olympia jemals bringen könnte, ganz abgesehen davon, dass nur einige wenige Glückliche unter den veranstaltenden Städten mit einer schwarzen Null davongekommen sind.
Warum wird die Entwicklung der Infrastruktur nur immer an Olympia festgemacht?
Am Mittwoch, 14. Oktober 2009 um 12:39 Uhr.
[...] Blog von Dieter Janecek, Landesvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen in Bayern: “Olympische Spiele 2018 sind kein Gewinn für unsere Region“ [...]
Am Mittwoch, 14. Oktober 2009 um 14:16 Uhr.
Hallo Dieter,
vielen Dank für diesen mehr als treffenden Kommentar! Da können wir vom Garmischer Kreisverband nur anschließen.
Aber wie schon ein Vorredner sagte: Wenn sich die Spiele schon nicht verhindern lassen, dann müssen wir zusehen, dass wir bei allen Entscheidungen und in allen Gremien dabei sind. Retten, was zu retten ist!
Grünen Gruß,
Veronika
Am Donnerstag, 15. Oktober 2009 um 11:43 Uhr.
Hallo Dieter,
wenn auch kein Gewinn für die Region (Sankt Florian laesst gruessen) so ist doch alles gruene auf diesem Planeten, gruener als alles nicht-gruene; sogar Atomkraftwerke lassen sich bis zur Abschaltung oekologischer Betreiben, obwohl sie natuerlich sofort abgeschaltet gehoeren.
Wir leben in einer Welt, wo Spiele stattfinden und AKW existieren. Von dieser Realitaet muessen wir ausgehen.
Am Donnerstag, 15. Oktober 2009 um 12:27 Uhr.
Danke für Eure Kommentare. Ich persönlich kann mit der Entscheidung gut leben. Wir agieren bei dem Thema halt auch von unterschiedlichen Ebenen aus (Stadtratsfraktion/KV, Landtagsfraktion, Grüne im Alpenraum, etc.), wo jeweils unterschiedliche Persepektiven und Einschätzungen gegeben sind.
Der Beschluss von gestern enthält zwei konkrete Anforderungen, die wir gemeinsam durchgesetzt haben:
1) Wir fordern Transparenz der Finanzstrukturen. Wer zahlt, wer haftet? Hier ist die Stadtratsfraktion gefordert, konkret aufzuklären und einzufordern. Da kommt noch einiges auf uns zu (nichts Gutes befürchte ich.
2) Eckpunkte Umweltkonzepte müssen in ein verbindliches Gesamtkonzept übergehen.
Bleibt viel Arbeit zu tun. Auf den Diskussionsprozess an sich können wir schon mal sehr stolz sein. Das zeichnet uns Grüne aus.
Am Freitag, 16. Oktober 2009 um 01:44 Uhr.
Und wer zu den realen Chancen Münchens für die Olympiabewerbung 2018 richtig tief einsteigen will, dem empfehle ich http://jensweinreich.de/?p=5584#more-5584
Es hat seinen Grund, dass sich so wenig Nationen wie noch nie für eine Winterolympiade bewerben
Am Freitag, 16. Oktober 2009 um 23:36 Uhr.
Daß man damit argumentiert, anderswo seien die ökologischen Schäden womöglich gravierender, ist ja abenteuerlich.
Womöglich ist das ja so, aber womöglich gibt es da auch eine Opposition, die sich gerne darauf beruft, daß anderswo auch aus ökologischen Gründen auf eine Bewerbung verzichtet wird.
Schaut man die Argumentation im Chor mit den anderen Argumenten an, so ist die Lage noch klarer: Wenn Winkel-am-Wald gegen München unterliegt, und München dann eine 4-spurige Autobahn ausbaut ins idyllische Alpenstadion, wodurch touristische Vorteile entstehen – wird dann Winkel-am-Wald zumachen, oder werden die dann nicht ebenso in einen Erschließungs- und Ausbauwettbewerb gedrängt?
Und ist 2018 die letzte Winterolympiade?
Am Samstag, 17. Oktober 2009 um 12:56 Uhr.
Eine Winterolympiade in einer Stadt in der es immer weniger Schnee gibt – das passt nicht so recht!
Am Sonntag, 25. Oktober 2009 um 19:31 Uhr.
[...] Dieter Janecek: Olympische Spiele 2018 sind kein Gewinn für unsere Region [...]
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Am Montag, 23. November 2009 um 13:49 Uhr.
[...] Kurios dabei: Die Grünen im Bundestag, allen voran Claudia Roth, und die Fraktion im Münchner Rathaus sind für Olympia. Alle anderen Gremien und Fraktionen der bayerischen Grünen sind dagegen. Dieter Janecek hat sich in einigen Grundsatzpapieren mit der Bewerbung beschäftigt. Sein Fazit: „Olympische Spiele 2018 sind kein Gewinn für unsere Region.” [...]
Am Dienstag, 24. November 2009 um 11:32 Uhr.
Hallo!
Auch wenn ich mit einigen politischen Grundsätzen deiner “Grünen” absolut nicht einverstanden bin, kann ich diese Initiative VOLL unterstützen. Mutig auch von eurem grünen Verband, dass ihr euch gegen die Bewerbung ausgesprochen habt. Ich selbst halte Olympia und den Leistungssport mehr und mehr für ein großes Spektakel, das sich nur um das goldene Kalb dreht, dem schnöden Mammon.
Dagegen sind Umweltbewusstsein und regionale Verankerung in der Gesellschaft ein wichtiges Ziel, das es zu verteidigen gilt – weiter so!
Am Dienstag, 26. Januar 2010 um 19:43 Uhr.
[...] und wie viel Parlamentsbeschlüsse denn noch beigebracht werden sollen, bis auch die wenigen akzeptieren, dass dies tatsächlich eine auf breiter Mehrheit mitgetragene deutsche Bewerbung ist. Ich weiß es [...]
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