The Greenest Games Ever

Wenn es nach der PR-Abteilung der Olympia-Bewerbergesellschaft geht, stehen uns mit München 2018 absolute Öko- und Nachhaltigkeitsspiele bevor: “Olympische Spiele als Chance für den Naturschutz” wie DOSB und der DAV einhellig vor einigen Monaten gemeinsam erklärten. Für mich war dieses Zitat übrigens der Auslöser, endgültig vom Olympia-Skeptiker zum Gegner zu werden. “Grün” und “nachhaltig” sind mittlerweile inflationär gebrauchte Begriffe für alle, die ein positives Image wollen und brauchen. Dem muss man beim Thema Olympiabewerbung in der Substanz entgegentreten, indem man die Begrifflichkeiten im Zusammenhang mit solchen Wintersportgroßereignissen grundsätzlich in Frage stellt.

Der Bund Naturschutz, frühzeitig bereits ausgestiegen aus dem “Forum Umwelt” der Bewerbergesellschaft, hat seine Vorbehalte heute in einer Pressekonferenz noch einmal artikuliert, gemeinsam mit dem Verein zum Schutz der Bergwelt e.V. Besonders interessant und spannend zu lesen fand ich die Begründung letzterer zum erklärten Ausstieg aus der Fachkommission Umwelt. Der VzSB kritisiert in betont sachlich-freundlich gehaltenem Ton darin nicht nur, dass “unsere Kritik am Konzept nicht einmal protokollwürdig” war, sondern man im Gegenteil durch die Struktur der Fachkommission und Medienpolitik des DOSB “automatisch zum Promoter der Veranstaltung” herhalten musste. Weiter schreibt der VzSB “Es wurde auch von den Verantwortlichen des DOSB dem nichts entgegengesetzt, im Gegenteil, wir hatten zunehmend den Eindruck, dass der Bewerbungsgesellschaft die Undurchsichtigkeit unserer Rolle entgegenkommt: Wir firmierten – ungewollt – als Mitglied der Fachkommission Umwelt als Mitautoren des Umweltkonzeptes.” So wird gut gemeinte Beteiligung zur Falle für die eigene Glaubwürdigkeit, und die Medien fallen massenweise drauf rein.

Sowohl BN als auch VzSB kommen zur Einschätzung bezüglich des Umweltkonzepts als “im Wesentlichen ein großes Kompensationsgeschäft.
Kompensationsgeschäfte sind aber nicht wirklich nachhaltig, sondern entweder marktwirtschaftliche Steuerungsmedien oder Ablasshandel für jene Fälle, wo ordnungspolitische Maßnahmen oder moralische Appelle versagen.”
Denn “wenn schon olympische Spiele, dann ehrliche Spiele, bei denen die Verantwortlichen die Schäden, die damit verursacht werden, beim Namen nennen. Dies ist aber im Umweltkonzept gerade nicht geschehen”. Ähnlich hatte ich bei meiner Rede auf der Stadtversammlung der Münchner Grünen vor einigen Wochen argumentiert. Denn in der Tat ist in dem Umweltkonzept der Fokus einseitig auf die CO2-Überkompensation gerichtet, die ohnehin durch die aktuellen Klimaschutzabkommen und Selbstverpflchtungen der EU Maßstab allen öffentlichen und privaten Handelns sein muss, erst recht im Jahre 2018: “Die unmittelbaren Folgen für Natur- und Umwelt und die kommunalen und sozialen Folgen werden mit dem Umweltkonzept aus dem Fokus der Aufmerksamkeit genommen, obwohl dies die eigentlichen Knackpunkte sind.” Das ist auch der Kernpunkt meiner Kritik.

Und trotzdem: Auch dieses werden natürlich wieder “The greenest games ever” wie z.B. London 2012, Vancouver 2010, Salt Lake City 2002, Möchtegern-Chicago 2016 usw. Möchtegern-Salzburg 2014 lass ich mal außen vor, die haben ganz andere Probleme. Ach ja, und ein Satz noch zum neuen Geschäftsführer der Bewerbergesellschaft Willy Bogner. Der Olympia-Bekleidungsunternehmer hat schon eine erfolgreiche Bewerbung unterstützt: Die Ökodesaster-Spiele von Sotschi (aktuell bei 24. Mrd. Euro Budget angelangt).

2 Antworten auf “The Greenest Games Ever”

  1. dieter_janecek

    Laut Bericht der Süddeutschen Zeitung denkt nun erstmals auch der DAV über seinen Verbleib in der Umweltkommission nach: “Wir verspüren langsam eine gewisse Unzufriedenheit”, sagt Thomas Urban, Geschäftsführer des Deutschen Alpenvereins (DAV), der als anerkannter Naturschutzverband in der Umweltkommission und als Sportverband im Aufsichtsrat vertreten ist. Bisher liege “ein nettes Konzept mit guten Ideen” vor, doch seien noch zu viele Fragen offen. “Wie und durch wen werden diese Ideen konkretisiert? Wann wird das passieren und wie wird das Konzept finanziert?” Da müssten nun bald “klare und verbindliche” Aussagen kommen, sonst würde auch im DAV “intensive Diskussionen” aufkommen, ob man in der Kommission weiter mitarbeiten wolle.”

  2. Dieter Janecek » Blog Archive » Olympia: Schluss mit dem Greenwashing!

    [...] entgegen aller Selbstbeweihräucherung längst nicht die erste Bewerbung, die die den Anspruch der „greenest games ever“ hegt. Und es wird auch nicht die letzte [...]

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Ich bin Landesvorsitzender von Bündnis 90 / Die Grünen in Bayern und schreibe über meine politische Arbeit, meine Gedanken zum politischen und gesellschaftliche Geschehen mit dem festen Willen abseits des politischen Mainstreams sich die Freiheit zu nehmen, auch mal quer zu denken. (mehr)

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