Olympia: Bürgerferne Arroganz und Udes Zahlengaukelei
Bürgerferne Arroganz, Intransparenz und Greenwashing sind die Markenzeichen der Olympia-Bewerbung München 2018. Die Desinformationspolitik der Bewerbergesellschaft erreicht zur Zeit ungeahnte Höhen. Die Pannenserie für München 2018 reißt nicht ab, die Töne der verantwortlich Handelnden werden dafür immer schriller und irrationaler. Es mangelt vollständig an Transparenz und offener Kommunikation
Die bald wöchentlichen selbstherrlichen Ausfälle von Christian Ude gegenüber den Olympia-Skeptikern bin ich ja mittlerweile gewohnt und deute sie als Ausdruck seiner hohen Nervösität. Wenn die Bewerbergesellschaft nun zum wiederholten Male eigene Auftragszahlen zur vorgeblichen Zustimmung für Olympia 2018 veröffentlicht mit im übrigen über die Monate deutlich sinkenden Zustimmungswerten, so sind diese insgesamt in ihrer Aussagekraft ungefähr so glaubwürdig wie die Propaganda der Kommunistischen Partei in China. Die Gfk, die die neueste Umfrage durchgeführt hat, ist übrigens seit heute “Nationaler Ausstatter” für Olympia 2018. Unabhängige Befragungen zur tatsächlichen Stimmung in der Bevölkerung existieren nach wie vor nicht. Da ja alle angeblich so jubilierend nach Olympia rufen, wäre es aber doch ein leichtes für Ude, Bogner und Vesper, sich endlich offensiv für einen Bürgerentscheid in Garmisch auszusprechen?
Vor fünf Jahren in Salzburg haben wir beim Bürgerentscheid gegen Olympia 2010 gesehen, wie Volkes Wille nach intensiver Debatte und Aufklärung sich äußert, wenn die Bevölkerung in die Planungen nicht transparent einbezogen wird. Gleiches gilt für Berchtesgaden 1982.
Für welches demokratisches Verständnis die Bewerbergesellschaft hingegen steht, zeigen die Äußerungen ihres Geschäftsführers Willy Bogner, der wiederholt wie zuletzt bei der Volkshochschule München, es „als staatsbürgerliche Pflicht“ der Bevölkerung ansieht, in der Unterstützung der Bewerbung ihren VolksvertreterInnen zu folgen.
Bogner behauptet zudem in der Öffentlichkeit weiterhin unbeirrt die Unwahrheit, dass das IOC allein für die Organisationskosten der Spiele aufkäme. Die IOC-Überweisungen sind Verhandlungssache im Rahmen der vom IOC aufgedrückten Knebelungsverträge und decken die Kosten der Austragungsorte nie. Es ist im übrigen schlicht ein Skandal, dass im eingereichten Mini-Bid Book weder ein Infrastruktur- noch ein sauberer Organisationsetat für München 2018 ausgewiesen ist. Unsere Volksvertreter in Gemeinde- und Stadträten, Land- und Bundestag schreiben der Bewerbergesellschaft einen ungedeckten Check aus und verzichten vollständig auf jegliche demokratische Kontrolle in der Folge. Den Profit zieht das IOC, die Risiken und voraussehbaren Kostenexplosionen tragen die Kommunen. Dass letztere wie nun bekannt wurde 1/3 der Gesamtkosten für die Sportstätten tragen sollen, ist angesichts der Haushaltslage insbesondere in Garmisch und Berechtesgaden schlicht Wahnsinn.
Und dann noch die vorgebliche Nachhaltigkeit: So war wie im Blog bereits berichtet das vollmundig von München aus angekündigte Biosphärenreservat als angebliches Herzstück des Umweltkonzepts vorhersehbar zum Scheitern verurteilt. Das nun in Windeseile erneut ohne jegliche Bürgerbeteiligung eingebrachte Ersatz-Leitprojekt „Natur, Kulturerbe und Bildung – Gemeinsames Handeln in der Olympiaregion“ ist ein Sammelsurium an Allgemeinplätzen ohne Nutzen für die Region und resultiert aus der Rechtfertigungsnot der verbliebenen Umwelt- und Sportverbände gegenüber ihren Mitgliedern sowie handfesten Verbandsinteressen. Olympia 2018 steht nicht für ein grünes Erbe sondern ist ein Symbol dafür, dass der Mensch sich die Alpenregion in Anbetracht des Klimawandels mit massivem Aufrüsten an Schneekanonen, Beschneiungsseen und weiterem Flächenverbrauch endgültig Untertan machen will.
Ein Possenspiel ist das ständige Hin- und Her bei der Sponsoringfinanzierung der Bewerbungsphase. Letzte Woche fehlten noch 10 Millionen, diese Woche sind es wieder 13. Ständig werden neue Sponsoren angekündigt, während andere wieder zurückziehen. Viel zu wenig wird in der Öffentlichkeit hinterfragt, wie groß denn der Anteil der staatlichen Unternehmen wie Flughafen und Stadtsparkasse an der bisherigen Bezuschussung ist. Steuergelder fließen indirekt bereits in der Frühphase somit reichlich. Das Ziel einer Finanzierung über privates Sponsoring ist klar gescheitert.
Das Ziel für die nächsten Wochen und Monate ist Aufklärung. Gemeinsam mit dem Netzwerk Nolympia2018 wollen Ludwig Hartmann und ich für die bayerischen Grünen und die Landtagsfraktion sowie vielen UnterstützerInnen mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort ins Gespräch kommen und über die wahren Beweg- und Hintergründe dieser Bewerbung informieren. Eine ganze Reihe von Veranstaltungen und Informationsständen in der Region ist in Planung.

Am Montag, 19. April 2010 um 20:34 Uhr.
Manchmal gehts schnell. Der Münchner Merkur nimmt bereits Bezug auf meinen Blogeintrag: http://www.merkur-online.de/lokales/nachrichten/gruene-kritisiern-olympia-umfrage-722430.html?cmp=defrss
In diesem Zusammenhang sei auf den Verschiebebahnhof zwischen OCOG und Non-OCOG-Budget hingewiesen. Jens Weinreich: “Es gibt den Organisationsetat, kurz: OCOG-Etat genannt, und den Infrastrukturetat, oder Non-OCOG-Etat. Organisationsetats werden von Olympiabewerbern in der Regel mit 1,8 bis 3 Milliarden Dollar veranschlagt. Die tatsächlichen Olympiakosten betragen ein Vielfaches.
Der OCOG-Etat soll alle Kosten der unmittelbaren Organisation von der Eröffnungs- bis zur Schlussfeier umfassen. Die Kosten für die meisten Sportstätten jedoch, sogar für Olympiastadien, werden dem Non-OCOG-Etat zugeschlagen, weil es sich bei derartigen Anlagen, so die IOC-Logik, um “nichtolympiabedingte” Investitionen handele.
So wird sichergestellt, dass Organisationskomitees Gewinne ausweisen. Es ist alles eine Frage der Buchungstechnik: Was nicht in den OCOG-Etat passt, wird in den Non-OCOG-Etat ausgelagert. Manche Ausrichter führen sogar einen dritten Etat, eine Art nationalen Infrastrukturplan.”
http://jensweinreich.de/2009/05/07/finanzierung-olympischer-spiele-wir-sind-ein-privilegiertes-volkchen/
Am Dienstag, 20. April 2010 um 15:04 Uhr.
Deine Polemik in allen Ehren – aber falsche Fakten sind auch in Blogs ein No Go!
Am Freitag, 7. Mai 2010 um 15:31 Uhr.
Die Süddeutsche Zeitung hat inzwischen über die Zusammenhänge der Umfrage berichtet: “Die Begeisterung schmilzt”
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/741/509868/text/
Am Mittwoch, 21. Juli 2010 um 01:06 Uhr.
[...] kaum Widerspruch duldende Olympia-Begeisterung aufzeigen: Hierzu habe ich mich bereits in einem Blogeintrag ausgelassen. Als wir dann einmal als Netzwerk in Oberammergau konkret die Begeisterung abgefragt [...]