Ich bewerbe mich
Liebe Freundinnen und Freunde,
Ich werde mich um eine Kandidatur für ein Mandat im Deutschen Bundestag bewerben.
Meine Entscheidung hierfür ist schon länger gefallen. Nicht wenige haben sie bereits erwartet. In den letzten Monaten habe ich Dutzende Gespräche geführt an der grünen Basis, mit meiner Familie und darüber hinaus. Dabei habe ich viel Zuspruch und Unterstützung erfahren, für die ich mich an dieser Stelle bedanken möchte.
So werde ich für den Stimmkreis München-West/Mitte sowie für einen vorderen Platz auf der bayerischen Landesliste antreten. Neben meiner Streitlust für grüne Inhalte bringe ich u.a. meine Erfahrungen als Kommunalpolitiker im Bezirksausschuss Neuhausen-Nymphenburg und Bezirksrat für Oberbayern ein.
Was mich tief im Herzen bewegt: Wie bringen wir Ökologie und Ökonomie endlich konsequent zusammen? Wie gestalten wir eine Wirtschafts- und Lebensweise, die vereinbar ist mit unseren Lebensgrundlagen? Wesentliche Weichenstellungen hierfür werden im Deutschen Bundestag getroffen. Dort möchte ich mit aller Kraft meinen Beitrag leisten, dass wir unseren Kindern eine lebenswerte Umwelt und (chancen)gerechte Gesellschaft hinterlassen. Ohne 3. Startbahn im Erdinger Moos, die Münchnerinnen und Münchner haben es beim Bürgerentscheid am 17. Juni in der Hand.
Im Zweifelsfall den unbequemen Weg für die richtigen Inhalte einzuschlagen, entspricht meiner Überzeugung. Gerade wir Grüne dürfen uns nicht scheuen, auch neue Wege zu denken und zu gehen. Fragen nach den Grenzen des Wachstums, das Modell einer solidarischen Gesellschaft gegen das Diktat der Finanzmärkte oder die dramatische Herausforderung Ressourcenknappheit (Peak Oil) in Zeiten des Klimawandels gehören für mich ins Zentrum der grünen wie gesamtgesellschaftlichen Debatte.
Dorthin gehört auch die Diskussion um den digitalen Wandel. Die Rasanz, mit der das Internet Lebensstile und Arbeitsbedingungen, ökonomische Prozesse und demokratische Entwicklung beeinflusst, ist überall greifbar. Ich sehe das Internet zuvorderst als Chance für eine lebendige beteiligende Demokratie. Die Grünen sind für mich Freiheitspartei im und für das Netz, das schon heute für breite Teile der Bevölkerung zentraler Lebensraum ist. Über die grenzüberschreitenden Weiten des Internets können wir einen globalen Freiheitsraum für die Eine Welt aufbauen, die auf den Grundwerten von Nachhaltigkeit basiert: ökologisch und sozial!
Als Landesvorsitzender der bayerischen Grünen werde ich weiterhin nur ein Ziel verfolgen: Starke Grüne von Aschaffenburg bis Berchtesgaden zu organisieren für einen ökologisch-sozialen Politikwechsel in Bayern und Deutschland. Ohne ein außerordentliches Ergebnis für uns Grüne droht Stillstand und Rückschritt, den wir uns in Zeiten des Klimawandels und der sozialen Spaltung nicht leisten können. Der aktuelle Angriff von Atomlobby und Schwarz-Gelb auf die Energiewende zeigt, dass nur mit Grünen in Verantwortung das Ziel 100% Erneuerbarer Energien konsequent erreicht werden kann. Jetzt gehts erst richtig los und wer sollte die anstehenden Probleme lösen, wenn nicht wir!?
Die kommenden Herausforderungen sind zweifelsohne groß. Ich freue mich darauf, sie gemeinsam mit Euch anzupacken. Dabei werde ich die Offenheit beibehalten, die ich die letzten Jahre vorgelebt habe.
Euer Dieter Janecek

Am Montag, 5. März 2012 um 16:34 Uhr.
Hallo Dieter,
machst du dich nicht unglaubwürdig, wenn du hier so pathetisch schreibst, aber auf der anderen Seite von einem Kandidaten Gauck, der genau dem entgegensteht, von dem du hier predigst, unterstützen willst?
Am Montag, 5. März 2012 um 16:38 Uhr.
Was ich ja so als -zugegeben baden-württenbergischen – Landesvorstand so spannend finde, lieber Dieter, ist folgender Halbsatz: “[...]sowie einen vorderen Platz auf der bayerischen Landesliste antreten”.
Das bestimmt ja wohl immer noch die Versammlung – und wie man bei Cem Özdemir gesehen hat, kann so eine Annahme durchaus von der Versammlung anders gesehen werden. Oder hat der Listenparteitag in Bayern schon stattgefunden?
Ich nehme mal an, du hast dich verschrieben, Dieter. Ansonsten finde ich eine solche Haltung, die voraussetzt, dass man einen vorderen Listenplatz erhält, schlicht sehr undemokratisch.
Am Montag, 5. März 2012 um 16:51 Uhr.
Nix Verschreiber: Ich bewerbe mich = ich trete an für (die Kandidatur um …). Die Entscheidung fällt die Basis. Wer denn sonst?? Jeder weiß jetzt bescheid. Wenn das nicht transparent ist, was dann?
Am Montag, 5. März 2012 um 16:56 Uhr.
@Jörg: Du hast Recht, das ist missverständlich formuliert. Aber Dieter schreibt ja gleich im ersten Satz er werde sich “um eine Kandidatur für ein Mandat im Deutschen Bundestag bewerben”. Und dass er “für [...] vorderen Platz auf der bayerischen Landesliste antreten” wird und nicht “AUF einem vorderen…”.
Die Formulierung ist unglücklich; Demokratieverständnis stimmt aber sicher dennoch
Am Montag, 5. März 2012 um 17:11 Uhr.
Dieter tritt nicht AUF einem vorderen Platz auf der bayerischen Landesliste an, sondern FÜR – klare Aussage. Dass die Basis entscheidet, versteht sich von selbst!
Am Montag, 5. März 2012 um 17:31 Uhr.
Lieber Jörg Rupp,
Dieter hat seine Bewerbung auf eine Bundestagskandidatur als Blogbeitrag und nicht über die Presse öffentlich gemacht. Das ist nicht nur transparent, es bietet auch jedem Leser die Möglichkeit Dieters Bewerbung zu kommentieren, sie gut zu finden oder zu kritisieren.
Deinen Kommentar, insbesondere den Satz zu Cem, verstehe ich nicht. Dieter kündigt an, auf einem vorderen Listenplatz zu kandidieren, mit anderen Worten: er möchte dem Bundestag ab 2013 angehören und stellt seine inhaltlichen Schwerpunkte in den Mittelpunkt und eröffnet die thematische Diskussion.
Das ist genau das was wir brauchen: Personen, die klar und deutlich sagen was sie wollen, Inhalte und Ideen mitbringen und das alles auch noch möglichst transparent darzustellen. Bitte mehr davon!
Alles Gute, Dieter!
Viele Grüße,
Daniel
Am Montag, 5. März 2012 um 17:35 Uhr.
@ Klaus: was ist daran unglaubwürdig, wenn jemand wie Dieter, der bekanntermaßen mit allen bereit ist über Inhalte zu streiten, sich für einen BP-Kandidaten einsetzt, der ebenso streitbar ist?
Zumal Gauck sich ja durchaus differenzierter äußert als seine KritikerInnen das wahrhaben wollen.
@ Jörg: Deine “Frage” kommt ehrlich gesagt als reichlich unfreundlicher Akt rüber. Zumal dem Kommentar eine … ungewöhnliche Interpretation der Formulierung “ich trete an für” zu Grunde liegt. Vielleicht kann man sich ja auch innergrün und über Flügelgrenzen hinweg mal nicht immer nur das Schlechteste unterstellen? Fände ich auch im Sinne der innerparteilichen Demokratie ziemlich sinnvoll…
Am Montag, 5. März 2012 um 23:31 Uhr.
Mein grüner Ortsverband Neuhausen-Nymphenburg hat mir großes Vertrauen ausgesprochen und meine Bewerbung heute einstimmig unterstützt. Darüber freue ich mich sehr.
Und weiter gehts an die Arbeit
Am Dienstag, 6. März 2012 um 00:57 Uhr.
Hallo Katja und Dieter,
ganz so drastisch wie Klaus würde ich es nicht sehen, aber auch ich sehe Gauck sehr kritisch (wie man ja auch in meinem Blog lesen kann).
Aber lass es mich mal so formulieren: Ich sehe den Bundespräsidenten als einen Anschieber, der Diskussionen in die eine oder andere Richtung lenkt. Da er selbst bei den Grünen Befürwortern durchweg als “streitbar” etc. genommen wird, wird ja in gewisser Weise zugegeben, dass viele seine Richtung auch als kritisch sehen. Die spannende Frage ist also, ob man so eine Person wählt oder nicht. Oder anders formuliert: Was ist an streitbar so positiv. Ist Angela Merkel nicht auch streitbar? Ja. Würden wir Grüne sie dann wählen? Nein.
Das mit den verkürzten Zitaten ist doch absolut lächerlich. Und zwar aus folgenden Gründen: 1. Könnten wir dann über gar nichts mehr diskutieren, weil Zitate immer die Kernaussage rausnehmen und durch den Kontext noch konkretisiert werden. Diese Verkürzung ist jedoch nötig, um effizient voranzukommen. Natürlich darf die Verkürzung nicht extrem verfälschend sein, aber 2. Die Kernaussage wird oft passend rübergegeben. Ich habe mich auch mit längeren Interviews von Gauck beschäftigt, insbesondere dem Sarrazin-Interview, aber auch dem Interview über Vorratsdatenspeicherung und anderen. In zweiterem sagt er tatsächlich, dass er Vorratsdatenspeicherung nicht rigoros ablehnt, sie aber nur unter ganz gewissen Bedingungen (die er noch ausdiskutieren will) akzeptieren kann. Mit dieser Einstellung kann ich leben. Aber im Sarrazin-Interview äußert er sich zwar nach außen hin “differenziert”, aber die “versteckten” Hinweise sind doch eindeutig. Es geht sinngemäß (hab gerade keine Lust nachzugucken, mein Blog ist ja oben verlinkt, für die, die es genau wissen wollen) los mit “Sie bevorzugen mutige Politiker. Ist Sarrazin mutig?” “Sarrazin ist mutig weil …”
Er hätte sich auch von dem ersten Teilsatz erstmal distanzieren können, hat er aber nicht. Er hat die ganzen Lobeshymnen im Indikativ verfasst, die Kritikpunkte aber im Konjunktiv angesprochen. Wenn man es nicht analysiert, dann hört sich das sehr differenziert an. Aber unterbewusst kommt dann eben doch bei den Leuten an, dass Sarrazin ein mutiger Mann ist, der vielleicht etwas übers Ziel hinausgeschossen sein könnte (Konjunktiv!), aber auf jeden Fall ein ganz wichtiges Thema angesprochen hat (Indikativ!).
3. Den Kritikern wird vorgeworfen, sie würden verkürzen, aber die Befürworter bringen eine sehr geringe “Positiv-Liste”. Bürgerrechtler – auch das könnte verkürzend sein, da gibt es auch einige kritische Berichte, die sagen, da wäre er erst ganz spät aufgesprungen. Klare Kante – bei seinen “differenzierten” Berichten, wo keiner genau weiß, was er will und wo wir uns jetzt streiten? streitbar – ist das jetzt per se positiv? …. Ostdeutscher – Herkunft plötzlich nicht mehr egal? Hat 2 Diktaturen miterlebt – Das haben auch einige aus der Linkspartei und Merkel zumindest die zweite. …. Sicherlich hat er auch einige tolle Leistungen, gerade in der Aufarbeitung der DDR, beigesteuert, aber diese Sachen reichen mir NICHT, um ihn als tollen Bundespräsidenten zu sehen, den 90% der grünen Wahlleute jetzt begeistert wählen sollen.
Ich hab ja zu einigen Themen auch ganz andere Meinungen als so machner andere Grüne…. trotzdem sehe ich bei den meisten Grünen zumindest die Gesamtbewegung in die richtige Richtung. Daher könnte ich solche Leute unterstützen, auch wenn ich mich mit Ihnen (so wie mit Euch gerade) über Details “streite”. Leute, die aber in die falsche Richtung laufen, die kann ich eben nicht unterstützen. Daher habe ich auch (wie fast 50% der Grünen die mitgemacht haben) bei der Facebook-Umfrage von Grüne Presse auch geschrieben, dass ich Gauck nicht wählen würde. Da sind die Differenzen einfach zu groß.
Streitbar ist für mich kein Argument. Sarrazin ist auch streitbar. …
Am Dienstag, 6. März 2012 um 08:52 Uhr.
Laut ZDF Politbarometer unterstützen 87% der Anhänger der Grünen die Kandidatur von Gauck, so viele wie bei keiner anderen Partei.
Am Dienstag, 6. März 2012 um 15:55 Uhr.
Also Dieter. Es scheint, als hätte ich das gestern missverstanden. Nehm ich mal an. Tut mir leid, das wollte ich nicht. Als ich gestern gelesen habe, habe ich – als Rückversicherung nochmal jemanden anderen gefragt – so gelesen, als hättest du schon vorausgesagt, dass du einen vorderen Platz erhältst. Wie ich das da herauslesen konnte, ist mir jetzt beim neuerlichen Lesen auch nicht ganz klar. Vielleicht macht das klar, warum ich den Cem-Vergleich genommen habe – das ist der Zusammenhang zu dem, was ich verstanden habe.
Also, entschuldige bitte. Wenn es hilft, blogge ich gerne nochmal etwas dazu.
Grüße
Jörg
Am Dienstag, 6. März 2012 um 16:05 Uhr.
[...] und regelrecht über diesen Satz gestolpert – hab ich natürlich einen harrschen Kommentar geschrieben: Was ich ja so als -zugegeben baden-württenbergischen – Landesvorstand so spannend finde, lieber [...]
Am Dienstag, 6. März 2012 um 16:18 Uhr.
Hallo Jörg,
Ist schon in Ordnung. Finds gut, dass Du das richtig gestellt hast.
Schönen Gruß und alles Gute
Dieter
Am Dienstag, 6. März 2012 um 16:27 Uhr.
Hallo Jörg,
ich finde deine Interpretation ziemlich interessant. Haben wir den selben Text gelesen? Da steht: “So werde ich für den Stimmkreis München-West/Mitte sowie für einen vorderen Platz auf der bayerischen Landesliste antreten.”
Es ist doch selbstverständlich, dass die Delegierten das letzte Wort haben auf welchem Platz Dieter am Ende in den BT-Wahlkampf zieht. Er formuliert in seinem Blog lediglich, dass er für einen vorderen Platz auf der bayerischen Landesliste antreten will und wird – das ist legitim und transparent, jetzt wissen es alle. Was du daran undemokratisch findet, verstehe ich nicht.
Kleiner Tipp: Vor dem in die Tasten hauen einfach noch mal lesen
Viele Grüße
Katha
Am Dienstag, 6. März 2012 um 16:34 Uhr.
Eine Erklärung für den “Verleser” könnte sein, daß das zweite “für” womöglich erst nachträglich eingefügt wurde. Im ersten Beitrag von Jörg Rupp heißt es nämlich noch:
“folgender Halbsatz: “[...]sowie einen vorderen Platz auf der bayerischen Landesliste antreten”.”
Der Sinn war dann natürlich derselbe, aber man konnte sich doch etwas leichter “verlesen”…
Am Freitag, 9. März 2012 um 19:37 Uhr.
Ich kenne und beobachte den Dieter Janecek mittlerweile schon seit einigen Jahren und finde, dass er sich von Monat und Monat, Jahr für Jahr sehr positiv weiterentwickelt hat. Seine Kandidatur für den BT ist da nur die logische Konsequenz.
Für mich hat Dieter das notwendige Format, die Kraft und Stärke und nicht zuletzt die Überzeugungskraft für seine Ideen.
Ich hoffe für Dich, Dieter, dass Deine Pläne sich so erfüllen wie Du beschrieben hast und Du bei allem noch genug Zeit für Deine Familie hast.
Liebe Grüße schickt Dir Guido
Am Sonntag, 11. März 2012 um 23:52 Uhr.
Hallo Jörg Rupp. Wenn Du die Rechte der Aufstellungsversammlung für Parlamentswahlen – wie ich auch – so ernst nimmst, wirst Du Dich dann auch dafür einsetzen, daß die Delegierten ihre Stimmzettel hinter Wahlblenden ausfüllen, wie das auch von den Wählern im Wahllokal verlangt wird ?
Bisher finden es die Mitglieder aller Parteien ja völlig in Ordnung, daß sie ihre Stimmzettel unter den Augen der Umsitzenden offen ausfüllen, sodaß in fast allen Parteien die Vorschläge der Parteioberen eins zu eins umgesetzt werden. Deshalb muß die erste Aufgabe der in die Partei eintretenden Nachdenklichen sein, diesen Mißstand abzustellen, der unsere Wahlen zur Farce macht.
Auch bei inhaltlichen Fragen gelingt es den Parteispitzen fast immer, ihre Mitglieder mit dem Druckmittel “Geschlossenheit” auf ihre Vorstellungen einzuschwören. Aber die Abstimmung darüber ist Sache der Parteien, während bei der Aufstellung der Kandidaten die geheime Abstimmung auf der Grundlage der Verfassung in allen Wahlgesetzen vorgeschrieben ist.
Hallo Dieter, was sagst Du dazu ?