Lieber FC Bayern München,

seit 1982 bin ich dein treuer Anhänger, seit einigen Jahren auch Mitglied. Dass deine Vereinsführung in der Regel nicht die politischen Positionen vertreten hat, für die ich einstehe, war für mich nie wirklich ein Problem. Du bist ja ein Fußballverein und keine politische Kampforganisation, dachte ich mir immer. Immerhin hat ein Oliver Kahn vor einigen Jahren im SPIEGEL Joschka Fischer öffentlich als seinen “persönlichen Favoriten, menschlich und politisch” angepriesen. Und auch Uli Hoeneß war immer wieder bereit zum Dialog mit der Politik, so zuletzt auf einer Veranstaltung der grünen Landtagsfraktion zur Sportpolitik.

Auch dein soziales Engagement anhand zahlreicher Projekte ist ansehnlich und so konnte ich es dir auch noch nachsehen, als kurz vor der Landtagswahl 2008 Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge dem damaligen Ministerpräsidenten Günther Beckstein und seiner CSU “50 Prozent Plus X” gewünscht hat. Dazu ist es ja nun nachweislich nicht gekommen, und Fußballvereine werden auch in Zukunft keinen Einfluss auf die Wahlentscheidung der Menschen haben. Das ist gut so.

Nun muss ich leider erfahren, dass du dich in einem Bündnis einer großen Koalition, u.a. mit CSU, SPD und FDP, den Bau der 3. Startbahn am Münchner Flughafen unterstützt. Von meinem Verein, der sich zu Recht für seine wirtschaftliche Kompetenz  rühmt, hätte ich mehr ökonomischen Weitblick erwartet. Die Flugbewegungen gehen seit 2007 stark zurück, allein in den ersten sieben Kalenderwochen 2012 um 3,7%. Außerdem gibt es auf lange Sicht genug Kapazitäten, so dass eine dritte Startbahn einfach überflüssig ist. Und da muss ich jetzt gar nicht den Super-Öko raushängen lassen, denn der gigantische Flächenverbrauch, die Hypothek für den Klimawandel, die Lärmbelästigung der Menschen – bis weit in den Münchner Norden hinein – oder die Ausweitung eines Ballungsraums, der jetzt schon aus allen Nähten platzt, muss wahrscheinlich nicht das Problem eines Fußballvereins sein – auch wenn hier ein internationales Drehkreuz geschaffen werden soll, von dem München rein gar nichts hat.

Was mich wirklich ärgert ist aber, dass Du Dich als mein Verein zum wiederholten Male über die Köpfe Deiner Mitglieder hinweg in die Politik eingemischt hast. Die Bayern-Fans in Freising, Erding und dem Münchner Norden werden sich sicherlich bei Dir bedanken.

Auch wenn ich in Bayern-Bettwäsche groß geworden bin, Titel gefeiert und Niederlagen betrauert habe, sehe ich Dich nicht als eine legitimierte Interessenvertretung in der Politik – und offensichtlich schon gar nicht meine Vertretung. Da ich das nicht weiter – weder ideell noch finanziell – unterstützen möchte, werde ich meine Mitgliedschaft daher beenden. Fußballerisch wirst Du immer meine Heimat bleiben, politisch bist Du es nicht.

Dein enttäuschter

Dieter

21 Antworten auf “Lieber FC Bayern München,”

  1. Oliver

    Hallo Dieter,

    Respekt für diese Entscheidung. Ich finde es klasse wie konsequent du bist. Mach weiter so.

    Gruß Oliver

  2. Wolferl

    Genau so ist es richtig. Warum lassen sich die Roten (und die Blauen) für so ein politisches Thema vor den Karren spannen?
    Meine FCB Mitgliedschaft wird heute auch noch gekündigt, das sollen sie ohne mich durchziehen!

  3. Beppo Brem

    Lieber Dieter, ich kann Deine Enttäuschung und Entscheidung nur allzugut nachvollziehen. Natürlich ist auch der Sport in vielfältiger Weise politisch – z. B. als Motor von Integration und Inklusion -, aber eine dritte Startbahn gehört wahrlich nicht zum Vereinszweck. Nicht mal annähernd. Da werde die Mitglieder in Geiselhaft für eine politische “Veranstaltung” genommen… Ich kann nur den Kopf schütteln über die Führung nserer Traditionsvereine. Gruß Beppo

  4. Matthias Lewin

    Lieber Dieter, das ist ein gewaltiges Stück Konsequenz, das Du da hingelegt hast. Zwar ist Profisport und Politik sehr eng miteinander verwoben, sich aber im Heimatland seiner Fans für solch ökologisch und ökonomisch unsinniges Projekt vor den Karren spannen zu lassen, hätte nicht sein müssen. Ich würde es Dir gleichtun, allerdings bin ich kein Mitglied beim FCB, auch nicht bei den Löwen, insofern muss ich diese Entscheidung nicht treffen. Ich werde aber auch weiterhin genau darauf achten, wer sich dafür oder dagegen ausspricht – bei was auch immer – und mich dann eben auch dafür oder dagegen entscheiden.
    Liebe Grüße Matthias
    p.s.: Fußballerische drücke ich den “roten” aber trotzdem weiterhin fest die Daumen…

  5. Bernhard

    Respekt. Schade, dass ich nicht Mitglied bin, ich würde mich sonst solidarisch Deinem Autstritt anschließen. Auf jeden Fall wünsche ich Dir viele “Follower”.

  6. Bernd

    Das ist das beste was sie machen können. Auf solche Politiker kann man auch im Verein verzichten. Leider gehören Sie auch zu den Politiker die Geld vom Staat (Land Bayern) kassieren, und nichts für die Bürger tun.

    Beispiel: Flug von München nach Berlin und zurück kostet: um die 90.- Euro (Zeitaufwand: insg. 4 Std.)

    Die Grünen werben für die Bahn!!
    Das Ticket kostet: 138.- Euro und der Zeitaufwand ist ins. 12 Std.

    Zeitraum: 23.4.-30.4.12

    Was ist rentabler????

    Ich finde es gut, dass sich der FCB für Fortschritt einsetzt, und nicht sich immer der Politik klein beigibt!!!

  7. Christian

    Seit ich die Meldung, dass der FCB die Startbahn fordert, gelesen habe, versuche ich, am nächsten Dienstag für Basel zu sein. Es gelingt mir als Bayern-Fan auch bei größter Anstrengung leider nicht. Vielleicht bin ich jetzt aber nicht mehr ganz so traurig, wenn der FCB im Gegensatz zu HAPOEL Nikosia nicht in Viertelfinale der Champions-League einzieht. Es ist schade, dass die Vereinsführung nicht weiß, dass ein Fußballverein in der Politik nichts zu suchen hat und vor allem keine Ahnung hat, wer die Fans “ihres” Vereins sind und wer über viele Jahre viel Geld ins Stadion getragen hat. Nämlich auch Menschen, die anderer politischer Meinung sind als die, die gerade die Vereinsführung bilden und die auch von den Geldern leben, die wir mit unserer anderen politischen Meinung an der Stadionkasse bezahlen. Viele Menschen, denen der FCB bisher ziemlich egal war, haben ihn nun als Feindbild. Den Ruf des Vereins bei vielen Menschen (und sogar bei eigenen Fans) bewusst zu verschlechtern, darf einer Vereinsführung nicht passieren.

  8. Karsten Böttjer

    Danke für dieses mutige und richtige Zeichen!
    Ärgerlich und unverständlich, dass die Bayern und ’60 sich in dieses Bündnis geworfen haben. Irgendwie eifern die dem Bierhoff nach, der sich als DFB-Manager für die Atomenergie stark machte. Die Halbwertszeit seines Aufrufs für AKW-Laufzeitverlängerungen war recht kurz – hoffentlich ist es in diesem Fall ähnlich.
    Zum Glück ist mein Lieblingsverein nicht unter den beiden Münchener Profi-Klubs zu suchen.

  9. Bernd Fischer

    Ein wahrer FC Bayern-Fan hat mit der politisch-ideologischen Grundeinstellung sowieso nichts zu tun! Zum Glück sind Sie weg!

  10. Daniel

    @Bernd: Politikbeschimpfung ist das eine, nicht Rechnen können das andere: Wie Sie in 4 Stunden von der Münchner Innenstadt mit dem Flugzeug ins Zentrum von Berlin und zurück kommen, interessiert mich sehr, denn das habe ich noch nie geschafft. Und was die Ticketpreise angeht, kommt es sowohl bei Bahn als auch Flieger doch sehr auf den Zeitpunkt der Buchung und auf den Reisezeitpunkt an. Also bitte keine unseriösen Vergleiche.

  11. Klaus aus Laim

    Super gut, dass du das endlich machst Dieter! Komisch nur, dass es erst sooo spät passiert. Denn mal im Ernst: Das komische Stadion in Fröttmanning, die CSU Nähe, die Zerstörung der Jugendarbeit anderer Vereine, Uli Hoeness, Bloger wie die Bernds hier auf der Seite, die Belegung nahezu aller Positionen in der Nationalelf trotz besserer Spieler in ‘Schland und glaubst du,das deine rote Bettwäsche oder gar die roten Leibchen von glücklichen 8 Jährigen hergestellt werden?? Wären da nicht in den letzten 30 (!!) Jahren genug Gründe gewesen um den Schmarrn zu lassen?
    Ich meine schon,
    Trotzdem Gratulation zum Ausstieg.

  12. Thomas

    Ich fahre seit gut 8 Jahren einmal im Monat beruflich mit dem Zug von München nach Berlin. Die Fahrt kostet mit Bahncard 50 inzwischen EUR 121,00 und dauert in der Regel 6 Stunden. (Bevor der Leipziger HBF umgebaut wurde, dauerte die Fahrt sogar nur 5:30; wird hoffentlich bald wieder so sein). – Fliegen ist ein wenig billiger und etwas kürzer. Aber: Warum ist Fliegen billiger)? – Weil das unsinnigerweise von uns Steuerzahlern (Flugbenzin!) subventioniert wird.–viele innerdeutsche Flüge sind unsinnig (es gibt ja sogar Leute, die fliegen von München nach Frankfurt (mit der Bahn 3 1/4 Stunden)….
    Als fCBayern-Fan und – Mitglied respektiere ich Deine Entscheidung, Dieter. Ich werde nicht austreten, aber den Herren meine Meinung kundtun. Schöne Grüße, Thomas

  13. Felix

    Bei einem Fußballverein kann man austreten (Glückwunsch zu der Entscheidung).

    Schlimmer finde ich die Unterstützung durch IHK und Handwerkskammer, bei der Pflichtmitgliedschaft besteht. Leider ist es geübte Praxis beider Institutionen, bei politisch umstrittenen Themen offen Stellung zu beziehen.

  14. Paul Wildenauer

    Da Yeti, Reinhold Messner will auch die dritte Startbahn. Akuter Sauerstoffmangel?

  15. Alfred Mayer

    Die Erfolge des FC Bayern haben nichts mit Sport zu tun, sondern mit viel Geld und Menschenhandel . Jedenfalls sprechen die bei den Spielertransfers gern verwendeten Ausdrücke für diese Unterstellung.
    Mich wundert überhaupt nicht, daß sich ein derartiger wirtschaftlicher Verein in seiner Verblendung für die Dritte Startbahn einsetzt.
    Ich kann nicht verstehen, daß sich nachdenkliche Menschen mit sowas identifizieren können.
    Also volle Sympathie für den Austritt und damit die Bereinigung Deines Vorlebens.

  16. karola

    Werter Herr Janecek,
    meinen Respekt und Hochachtung vor Ihrer Entscheidung und Ihrer Konsequenz. Solch ein “urgrünes” Eintreten für Umweltschutz, Schutz der Lebensqualität, gegen permanentes Wachstum und Profit für ein paar Wenige, findet man selbst bei den Grünen nicht mehr so häufig; leider! Ich hoffe Sie bleiben der Münchner bzw. Bayerischen Politik noch recht lange erhalten. Alles Gute!
    Karola ais Laim

  17. In guten wie in schlechten Zeiten | Blogged by Andreas Riedl

    [...] Jancek, seines Zeichens Sprecher der bayrischen Grünen, ist öffentlichkeitswirksam aus seinem Fussballverein, dem FC Bayern München, ausgetreten. Dieter ist seinen Ausführungen zu [...]

  18. Andreas Riedl

    Mich überzeugt die Argumentation auch nach drei Wochen noch nicht und ich habe mir hierzu Gedanken gemacht. http://www.andreasriedl.de/2012/04/in-guten-wie-in-schlechten-zeiten/

  19. Timm

    An Blogger Bernd Fischer, der wahrscheinlich aus dem tiefsten Niederbayern stammt… Politik und Sport sollten zwei verschiedene Paar Schuhe sein!! Du kannst doch nicht ernsthaft sagen, dass jeder Bayern Fan CSU Nähe zeigen sollte. So ein Schwachsinn. Genauso wird nicht jeder Werder Bremen Fan SPD’ler sein oder Freiburg Fan die Grünen wählen. WAHRE Fans, von denen du sprichst, suchen sich ihren Verein nicht aus, sondern sind Fan von klein auf oder eben nicht!

  20. Eilmeldung: Schulze und Stieglmeier fordern die vierte Startbahn | Aufgemuckt Watch

    [...] Landesparteichef, hatte sich zunächst dagegen gewehrt und sich Bedenkzeit erbeten. Nach der Niederlage seines Lieblingsfussballvereins hat er heute morgen jedoch deprimiert dem Kurswechsel zugestimmt und will seine [...]

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Über mich

Ich bin Landesvorsitzender von Bündnis 90 / Die Grünen in Bayern und schreibe über meine politische Arbeit, meine Gedanken zum politischen und gesellschaftliche Geschehen mit dem festen Willen abseits des politischen Mainstreams sich die Freiheit zu nehmen, auch mal quer zu denken. (mehr)

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