Archiv für die Kategorie ‘Olympia 2018’

Olympia: Neuer Anlauf für München 2022?

Donnerstag, Juli 7th, 2011

Die Bewerbung München 2018 hat Bayern und die Alpenregion international würdig vertreten, insbesondere auf der Abschlusspräsentation in Durban. Viel Herzblut, Sportbegeisterung und hohe Professionalität bei der Inszenierung waren zu spüren, auch wenn die Realität vor Ort aus Sicht der KritikerInnen nicht der Darstellung nach außen entsprach. Aus der Trotzreaktion der erfolgten Niederlage heraus ist es auch nachvollziehbar, dass einige eine sofortige Neuauflage für 2022 fordern und erste Protagonisten aus der Politik hier bereits willig aufspringen. Weder ist jetzt aber der geeignete Zeitpunkt für eine solche Diskussion, noch gibt es aus den Erfahrungen von München 2018 zwingende Argumente hierfür.
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Olympia 2018: Die Entscheidung ist gefallen

Mittwoch, Juli 6th, 2011

Die Entscheidung ist gefallen. Pyeongchang hat sich mit einem deutlichem Votum von 63 Stimmen gegenüber 25 für München und 7 für Annecy durchgesetzt. Südkorea wird somit nach zwei erfolglosen Kandidaturen die Olympischen Winterspiele 2018 austragen.

Die Bewerbungsgesellschaft München2018 hat bis zum Schluss eindrucksvoll für ihr Projekt gestritten und damit nach Umfragen auch den Wünschen einer (nicht sehr großen) Mehrheit der Bevölkerung entsprochen. Auch Grüne haben sich für und in diesem Projekt engagiert mit Begeisterung für den Wintersport und dem Anspruch, der Nachhaltigkeit und ökologischen Verantwortbarkeit im Rahmen der Bewerbung größtmögliche Geltung zu verschaffen.

Auf Kreis-, Landes- und Bundesebene haben wir über mehrere Jahre über das Für und Wider gestritten. Wir waren damit die einzige Partei, die mit der entsprechenden inhaltlichen Tiefe und Leidenschaft das Projekt Olympia 2018 dem Nachhaltigkeitsgedanken gegenübergestellt hat. Dass wir diese für uns schwierige Debatte überhaupt geführt haben und es uns dabei alles andere als leicht gemacht haben, ist allein bereits ein Wert an sich.

Befürworterinnen und Befürworter verwiesen in einer oftmals emotionalen Diskussion auf die große Werbewirkung der Marke Olympia auch nach den Erfahrung der Sommerspiele 1972, auf Entwicklungspotentiale insbesondere für den Raum Garmisch und natürlich die große Sportbegeisterung in diesem Land und das damit verbundene emotionale Erlebnis. Auch die Paralympics mit ihrer Wirkung für den Behindertensport wurden stets mitbetont. Für die Stadt München wurde mit der nachhaltigen Umgestaltung des Olympiaparks argumentiert, auch sei das Konzept München 2018 insgesamt das nachhaltigste aller Bewerbungskonzepte.

Bei der Mehrheit an der grünen Basis überwog die Skepsis, dass Olympische Winterspiele in ihrer bisherigen Konzeption in Zeiten des Klimawandels ökologisch verantwortbar sein können. Die intransparente Rolle des IOC, finanziell riskante Knebelverträge gegenüber den verschuldeten Ausrichterstädten und die mangelnde BürgerInnenbeteiligung waren weitere zentrale Kritikpunkte. Den KritikerInnen und allem voran dem Bündnis Nolympia ist es zu verdanken, dass wenigstens die Menschen in Garmisch-Partenkirchen am Ende doch beteiligt wurden. Mit 55:45 Prozent befürworteten sie die Austragung der Olympischen Winterspiele in ihrer Region. Oberammergau wurde bei Ankündigung eines Bürgerbegehrens bereits 2009 aus dem Konzept genommen.

Nun, am Ende hat es (bei weitem) für die Münchner Bewerbung nicht gereicht. Über die Motive des IOC für diese Entscheidung kann gemutmaßt werden, letztlich ist das aber müßig. Fakt ist: Viele sind über den heutigen Ausgang sehr enttäuscht, andere froh, dass dieser Kelch an uns vorübergegangen ist.

Für die Zukunft sollte vor allem eines maßgebend sein: Die Menschen müssen bei der Ausgestaltung solcher Großprojekte von Anfang an und in einem transparenten Verfahren einbezogen werden. Begeisterungsfähigkeit und hohe Zustimmungsraten kann man nicht über eine noch so aufwendige PR erzwingen.

Nachtrag: SPON würdigt in einem Beitrag das unermüdliche ehrenamtliche Engagement der Nolympioniken. Dem kann ich mich natürlich nur mit großem Respekt anschließen!

Olympisches Trauerspiel

Mittwoch, Dezember 15th, 2010

Am 11. Januar werden die Bid Books der drei Bewerber für die Olympischen Winterspiele 2018 an das IOC überreicht. Selten in der olympischen Geschichte hat es wohl ein solch trauriges Possenspiel vor der Vergabe der “Spiele” gegeben, wie wir es angesichts der Desastermeldungen aus allen drei Bewerbungsorten in den letzten Monaten erleben. Warum sich überhaupt nur drei solch dilettantische Bewerbungen im Rennen befinden und nicht Dutzende von Städten dem vorgeblich unwiderstehlichen olympischen Spirit nachjagen, hinterfrägt längst niemand mehr.

Die Franzosen haben sich mit Annecy bereits aus dem Rennen geschossen. Südkorea steht mit Pyeongchang unter Verdacht unlauteren Wettbewerbs. Und München 2018 vermarktet u.a. die geplante Errichtung von 17 Hochhäusern mit Balkonen im Olympiapark als “Umweltkonzept” und plant über die Köpfe der Menschen und GrundstückseignerInnen hinweg seit Monaten eine virtuelle Bewerbung der Großkopferten, ohne auch nur im Ansatz über die benötigten Flächen zu verfügen. Staatsminister Schneider hat bezüglich seines vorgeblich erfolgreichen Verhandlungsgeschicks die Öffentlichkeit offensichtlich getäuscht. Nix ist fix, im Gegenteil ist die Stimmung vor Ort in Garmisch nun aufgeheizt und gespalten wie nie zuvor. Sollten wir den Zuschlag erhalten, darf als sicher gelten, dass es zu Enteignungen kommen wird.

Der letzte traurige Höhepunkt: In den Medien wird mittlerweile als Pluspunkt für München verzeichnet, dass der Unruheherd Nordkorea rechtzeitig zur Vergabe schon noch mal aktiv werden könnte.

Derweil liegt für Vancouver 2010 erstes verifizierbares Zahlenmaterial vor. Die Sicherheitskosten sind auf 850 Mio. kanadische Dollar im Rahmen der Spiele explodiert. München 2018 kalkuliert mit max. 70 Mio Euro.

Wie man das aktuelle Fiasko München 2018 hätte vermeiden können? Die Bewerbungsgesellschaft hätte von Anfang an die Kraft und Offenheit finden müssen, ein sauber durchgerechnetes Budget mit ungeschönter Kosten-Nutzen-Abwägung und einer ehrlichen Bilanzierung der vorgesehene ökologischen Eingriffe vorzulegen. Dieses hätte man der Bevölkerung in einem Beteiligungsprozess zur Abstimmung stellen können! Aber diese Chance ist leider längst vertan …

Olympia 2018: Milliarden für heiße Luft

Donnerstag, November 4th, 2010

Angesichts der wiederholten krampfhaften Versuche der Bewerbungsgesellschaft, einen vorgeblichen ökonomischen Nutzen der Austragung Olympischer Winterspiele 2018 zu konstruieren, muss ich doch mal wieder ein paar Dinge klar stellen: 1) Die Öffentlichkeit wird über vorgeblich positive Beschäftigungs- und Wachstumseffekte von Olympia 2018 seit Beginn der Bewerbungsphase systematisch für dumm verkauft.
2) Die Liste der Beispiele dreister unhaltbarer Versprechungen nimmt keine Ende und findet mit dem nun bekannt gewordenen Scheitern des für Olympia 2018 in Aussicht gestellten vorzeitigen Ausbaus des 2. S-Bahn-Tunnels einen vorläufigen Höhepunkt. Für gut zwei Wochen sportindustrieller Dauerbeschallung gehen Bund, Land und Austragungsorte Risiken in Milliardenhöhe ein. Nach dem rauschenden Fest droht ein jahrelanger Kater zu Lasten von künftigen Investitionen in Bildung, Klimaschutz und Soziales.

Was soll man davon halten, wenn die Kuratoriums-Vorsitzende Katharina Witt gegenüber dem Sportinformationsdienst erklärt, sie sei genervt vom angeblich “typischen deutschen Pessimismus”? Schließlich erhalte man für ein Ausgabevolumen in Milliardenhöhe, das die Austragungsorte maßgeblich mitschultern, als Gegenwert “Emotion, Sympathie und Anerkennung”, sprich ökonomisch gesehen heiße Luft. Willy Bogner hatte als ein Beispiel für die mangelnde Seriösität der Bewerbungsgesellschaft vor Monaten bereits die durch nichts zu rechtfertigende Zahl von 540 Mio. Euro angeblichem Werbewert für die Gemeinde Garmisch-Partenkirchen durch die Austragung der Spiele genannt.
Wie können Wirtschaftsminister Martin Zeil wie Oberbürgermeister Christian Ude es rechtfertigen, einen beschleunigten Ausbau des 2. S-Bahn-Tunnels für Olympia 2018 in Aussicht gestellt zu haben? Nach jüngsten Medienberichten und Recherchen des grünen Bundestagsabgeordneten Dr. Anton Hofreiter stellt sich heraus, dass bisher überhaupt keine Vereinbarungen mit dem Bund getroffen werden konnten, der Baubeginn sich verzögert und schlicht keine Finanzierungsgrundlage für dieses umstrittene Großprojekt vorhanden ist.
Der Wirtschaftsreferent der Stadt München Dieter Reiter fabuliert in der Süddeutschen Zeitung (4.11.2010) von Effekten für Wachstum und Beschäftigung aufgrund eines Events von gut zwei Wochen mit erwartbaren Zuschauerzahlen, die einen Bruchteil des jährlichen Oktoberfestes ausmachen. Er sollte zur Kenntnis nehmen, dass die Flugbewegungen während der Austragung der Winterspiele 2010 in Vancouver weder im Vergleich zum Jahr 2009 noch zu 2008 zugenommen haben.
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer bringt den Ausbau der A8 in Zusammenhang mit einem erfolgreichen Zuschlag für die Spiele. Wo sind die geheimen Sondertöpfe im Bundesverkehrswegeplan, Herr Minister? Überhaupt plant die Staatsregierung samt CSU-Landesgruppe anscheinend sämtliche Infrastrukturprojekte künftig auf Oberbayern zu konzentrieren.
Der Tourismusverband Garmisch-Partenkirchen behauptet unentwegt, dass 80 Prozent der Wirtschaftskraft der Marktgemeinde durch den Fremdenverkehr erzielt würden: eine Zahl, die durch nichts zu halten ist. Im Gegenteil haben Studien von Prof. Bausch von der Hochschule München ergeben, dass der Anteil des Tourismus an der Wertschöpfung in Landkreisen mit Fokus auf Winterspitzensport wie u.a. dem hochtouristischen Oberallgäu bei 20 Prozent liegt , der Anteil der Tourismusförderung an der gesamten Wirtschaftsförderung aber seit Jahren bei 80 % liegt. Im übrigen wollen nur maximal 20 Prozent der Wintergäste Ski laufen,während ein Großteil der Touristen im Sommer kommt, um eine intakte Natur zu erleben. Ökonomen würden ein solches Missverhältnis von Aufwand und Nutzen von Investitionen als klassische Fehlallokation benennen.
Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen “Deloitte”, das als “Nationaler Ausstatter” der Bewerbung fungiert, bekennt öffentlich, dass eigene Studien zur angeblichen Wirtschaftlichkeit von Olympischen Spielen einzig und allein “auf öffentlich verfügbaren Informationen und Dokumenten des Internationalen Olympischen Komitees” basieren.
“Lotto Bayern” wurde unlängst von DOSB-Generalsekretär Michael Vesper als Sponsor der Privatwirtschaft vorgestellt, gehört aber zu 100 Prozent der Bayerischen Finanzverwaltung, also den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern.
Der Finanzminister von British Columbia hat das Defizit von Vancouver mit Stand Juli 2010 auf 925 Mio. kanadische Dollar beziffert. Das sind immer noch Peanuts im Vergleich zu den Kostenexplosionen von Sotschi oder auch aktuell London 2012.
Weiterhin fehlen in der Bewerbungsphase für München 2018 mehrere Millionen Euro, die ursprünglich durch private Sponsoren aufgebracht werden sollten. Dem steht gegenüber, dass bei einer erfolgreichen Bewerbung zusätzlich zu den internationalen Sponsoren hunderte von Millionen Euro nationaler Sponsorengelder als feste Einnahme kalkuliert werden.
Während gigantische Summen für den Spitzensport investiert werden, bleibt der Breitensport entgegen der Verlautbarungen der Bewerbungsgesellschaft auf der Strecke. So sind für den Ausbau der Bob-, Rodel- und Skeletonbahn 22 Mio Euro kalkuliert, wenige hundert Aktive weltweit betreiben diese Sportarten. 1/3 der Medaillengewinner in Vancouver kommen aus dem Bundeswehr-, Zoll- und Polizeisport.
Die Landeshauptfrau von Salzburg, Gabi Burgstaller, hat angesichts der Erfahrungen aus drei Bewerbungen (2006, 2010, 2014) den Schluss gezogen, sich „nie wieder für Olympische Spiele unter den geltenden Voraussetzungen“ zu bewerben. Gut 150 km weiter wird den Menschen in München und Umgebung gerade systematisch Sand in die Augen gestreut.

18 “Irrtümer” im Schnelldurchlauf

Mittwoch, Juli 21st, 2010

Endlich! Nach zwei Jahren ausgiebiger Textarbeit, Fragestellungen, Recherche, etc. des Nolympia-Netzwerkes reagiert die Bewerbergesellschaft München 2018 mit einem eigenen Positionspapier. “18 Gründe gegen Olympia” hat die Gesellschaft für ökologische Forschung schon vor über einem Jahr zusammengetragen auf einer großartig, stetig aktualisierten Homepage.

Nun schlägt das Imperium zurück mit “18 Irrtümern über die Olympia-Bewerbung – und unsere Antworten darauf”.
Leider werden hier vornehmlich rückwärtsgewandte Schlachten geschlagen, aber gerne entgegne ich einige Dinge im Schnelldurchlauf und versäume dabei nicht, auch entscheidende Fragen zu stellen.
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Über mich

Ich bin Landesvorsitzender von Bündnis 90 / Die Grünen in Bayern und schreibe über meine politische Arbeit, meine Gedanken zum politischen und gesellschaftliche Geschehen mit dem festen Willen abseits des politischen Mainstreams sich die Freiheit zu nehmen, auch mal quer zu denken. (mehr)

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